Bergerlebnis in seiner reinsten Form

15.03.2008 - Sindelfinger Zeitung von Steffen Müller, Bilder Klaus Berghold

Lange Schlangen an den Liften und ein furchtbares Gewusel auf den Pisten können einem den Spaß am Skifahren gehörig verleiden. An Wochenenden steht dieses Szenario in den Skigebieten der Alpen allerdings auf der Tagesordnung - es sei denn, man verzichtet auf den Lift, auf die präparierte Piste und erarbeitet sich den Berg selbst - auf einer Skitour.

Eine schweißtreibende aber lohnende Angelegenheit. Denn hier gibt es noch die unberührten Hänge, das große Abenteuer und - auch das gehört dazu - spektakuläre Stürze im Tiefschnee. Dieses Abenteuer brachte der Sindelfinger Skihochtourenführer Klaus Berghold von der Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins (DAV) den Teilnehmern des Skitouren-Anfängerkurses der Skischule Klotz aus Sindelfingen näher.

Etwas Mut und Kondition

Zwei Gipfel wurden im Kleinwalsertal erklommen - ohne Lift, mit Ski, Fellen, Stöcken und vor allem mit Muskelkraft. Das Steinmannl (1981 Meter) und das Grünhorn (2034 Meter). Zugegeben, die beiden Berge gehören nicht unbedingt zu denen, die den Alpinisten aufhorchen lassen, eine Menge Spaß kann man auf den Gipfeln rund um die Schwarzwasserhütte dennoch haben - atemberaubendes Panorama mit Blick auf Ifen und Allgäuer Hauptkamm inklusive.

 

Voraussetzungen sind etwas Kondition, eine ordentliche Technik auf den Brettern, etwas Mut und vor allem gutes Wetter: "Die Lawinengefahr darf man außerhalb der Piste nie unterschätzen. Wer die Gefahren nicht einzuschätzen weiß, sollte nur mit einem Führer Skitouren unternehmen", sagt Klaus Berghold.

Ein Muss sind auch ein Verschütteten-Suchgerät, eine Lawinenschaufel und eine Lawinensonde. "Falls man in eine Lawine gerät, zählt jede Minute", sagt Berghold, "nur in den ersten zehn Minuten ist die Überlebenschance noch hoch, danach sinkt sie rapide ab", erklärt der Referent für Aus- und Fortbildung der DAV-Sektion Schwaben.

Von Lawinen bleiben die sechs Teilnehmer - Jan Mosebach, Andreas und Matthias Hering aus Bayern, Frank Tillmann, Skischulleiter Robert Klotz junior und ich als SZ/BZ-Vertreter - verschont, innigen Kontakt mit der weißen Pracht, die mal als Pulver, mal als Sulz und fast noch häufiger als Bruchharsch daherkommt, gibt es dennoch ausreichend.

 

Atemberaubende Ausblicke

Vor abenteuerlichen Abfahrten und atemberaubenden Ausblicken stehen aber zunächst die Aufstiege. Für die Tour-Novizen sind es zunächst knapp drei Stunden vom Parkplatz an der Auenhütte zur Schwarzwasserhütte, danach folgen nochmal anderthalb Stunden hinauf aufs Steinmannl: "Ich will erst mal sehen, was die Teilnehmer skifahrerisch drauf haben", sagt Klaus Berghold zu der eher leichten Tour.

 

Immerhin knapp 800 Höhenmeter werden am ersten Tag bewältigt - auch von Frank Tillmann, seines Zeichens Snowboarder und deshalb auch mit Schneeschuhen unterwegs - das Board auf dem Rücken: "Das ist natürlich ganz schön hart", sagt Berghold, "der Aufstieg mit den Ski an den Füßen ist wesentlich angenehmer und kraftsparender."

Bei der anschließenden Abfahrt macht Tillmann mit seinem Brett allerdings mächtig Tempo. Da will ich natürlich nicht nachstehen, doch beim Übergang in den Harsch saufen meine Ski ab, ein sonores Klack kündigt die Auslösung der Bindungen an und ich tauche viele Meter weiter unten kopfüber in den Tiefschnee ein: "Schöne Schwünge, du solltest nur noch deine Geschwindigkeit in den Griff kriegen", sagt Klaus Berghold mit einem Grinsen im Gesicht. Mein einziger Trost: auch der staatlich geprüfte Skilehrer Robert Klotz schnallt einmal ab - dem Rest der Gruppe geht es nicht anders.

 

Rauf auf das Grünhorn

Am zweiten Tag folgt der Aufstieg auf das 2034 Meter hohe Grünhorn - bei traumhaftem Wetter. Der Weg ist steil, für einen Stich müssen die Ski an den Rucksack geschnallt werden. Doch der Gipfel und das Panorama entschädigen für die Mühen - und natürlich die knackige Abfahrt durch Mulden, über Steilhänge und wieder hinunter zur Schwarzwasserhütte in etwas sanfterem Gelände. Obwohl anspruchsvoller als tags zuvor gibt es diesmal kaum Stürze. Das liegt zum einen am besseren Schnee, zum anderen an der Schwierigkeit der Hänge, bei denen der sonstige Übermut der Vorsicht weicht.

Am Ausgangspunkt angekommen ist für die begeisterten Skitouren-Anfänger auf jeden Fall eines klar: das war mit Sicherheit nicht das letzte Mal.

Nähere Informationen zu Skitouren und zur Ausrüstung gibt es beim Deutschen Alpenverein, Sektion Schwaben, unter www.alpenverein-schwaben.de oder bei Intersport Klotz in Sindelfingen

 


 

 

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